Einen guten
Manager spürt man nicht
>> von Helmut König
Wo es gut läuft,
ist der Chef überflüssig
In manchen Unternehmen, so scheint
es, ist der Chef überflüssig. Die laufenden Vorgänge und Prozesse werden zügig
abgewickelt und die Mitarbeiter sind mit Freude und engagiert bei der Arbeit. Es
gibt wenige Rückfragen in andere Abteilungen, da alle Prozesse gut beschrieben
und allen bekannt sind. Auftauchende Probleme werden schnell in kleinen Gruppen
oder Teams besprochen und entschieden. Die Umsetzung der Lösung und die
Kontrolle es Erfolgs erfolgt gemeinsam, und die Unterbrechung der laufenden
täglichen Arbeit ist minimal. Das ist eigentlich der Traum aller Unternehmen und
deren Mitarbeiter, aber wie sieht oft die Realität in der breiten Masse
aus?
Chaos, Chaos
überall
Die Einkaufsverhandlung über den
Erwerb der nächsten Briefmarke führt der Chef. Vorgänge und Prozesse liegen in
Warteschleifen, weil Kollegen nicht anwesend sind und keine Vertretungen
organisiert sind. Alle Entscheidungen trifft der Chef nach dem Motto: "Was
kümmert mich mein Geschwätz von gestern". und „Entscheidungen werden nicht
begründet sondern durchgesetzt" Nach Lösungen braucht man nicht zu suchen, man
hat ja den seinen Vorgesetzten zur Entscheidung. Wenn der nicht da ist, bleibt
der Vorgang halt liegen. Probleme werden benutzt, um Mitarbeiter nieder zu
machen und Kunden haben gefälligst zu warten, bis sie dran sind. Letzteres sagt
keiner, aber danach denkt und handelt jeder. Und alle haben Angst um ihren
Arbeitsplatz, weil es dem Unternehmen nicht gut geht -
berechtigterweise.
Übertreiben zeigt
Wege
Es gibt eine Regel, die sagt:
vermittle 300% damit 50% im Gedächtnis des Zuhörers verbleiben. Wenn auch das
Chaos in zuletzt beschriebenen Unternehmen nicht überall so extrem zutrifft, so
finden sich doch sehr viele Firmen und deren Mitarbeiter in Teilbereichen oder
in abgeschwächter Form wieder. Dabei führt dieses Chaos noch zu einem ganz
anderen Problem: Unternehmen verbringen einen großen Teil der täglichen Arbeit
damit, Kunden zu beschwichtigen, nach Entscheidungsträgern zu suchen und sich
zusammen mit Kollegen über das tägliche Chaos zu beschweren. Da sind unsinnige
und überflüssige Überstunden vorprogrammiert und es bleibt keine Zeit, sich um
das zu kümmern, wofür man im Betrieb eigentlich zuständig
ist.
Gute Manager sind
Nichtskönner
Je weniger ein Manager die
Fachbereiche seiner Abteilung, seines Unternehmens beherrscht, desto besser. Je
mehr er darüber weiß, umso größer die Gefahr, dass er sich in die Arbeit seiner
Mitarbeiter einmischt. Seine Aufgabe ist nicht, die Arbeit seiner Mitarbeiter zu
machen, seine Aufgabe ist, seine Abteilung optimal aufzustellen. Dazu muss er
einen groben Überblick über seinen Bereich haben und für seine Mitarbeiter
optimale Arbeitsbedingungen schaffen. Er muss die richtigen Mitarbeiter für
jeden Arbeitsplatz finden oder entwickeln und durch Übertragung von
Entscheidungsbefugnis dafür sorgen, dass die besten Entscheidungen schnell an
den entscheidenden Stellen getroffen werden können. Er braucht dazu natürlich
auch Kontrollmechanismen, um die Effektivität seines Bereiches messen zu
können. Letztendlich muss er seine Abteilung nach außen vertreten und
verteidigen und Entscheidungen von außen zusammen mit dem Team seiner Abteilung
diskutieren, damit die Umsetzung erfolgen kann. Die tägliche Arbeit seiner
Abteilung muss problemlos laufen, egal, ob er da ist oder
nicht.
Menschen statt
Vorschriften
Für einen Manager sind also ganz
andere Fähigkeiten gefragt, als man gemeinhin denkt. Menschenführung,
Delegationsfähigkeit, Teamfähigkeit sind ungleich wichtiger als Fachwissen.
Natürlich auch Entscheidungsfähigkeit, Autorität und Durchsetzungsvermögen, aber
das an den richtigen Stellen. Und nicht zu vergessen Menschenkenntnis, denn
neben den fachlichen Fähigkeiten von Mitarbeitern besteht ein Team immer auch
aus Menschen mit ihren Eigenarten, die im Team zueinander passen sollten, damit
es gut funktioniert. Die klassische Konfrontation, die man zwischen
verkäuferisch und organisatorisch denkenden Menschen kennt, ist hier das
typische Beispiel für Eskalationspotential.
Umdenken statt
selber machen
Was eigentlich nach Nichtskönnen
aussieht, ist also in Wirklichkeit eine ungemein wichtige Aufgabe, die
Fähigkeiten werden nur noch nicht in dem Maße anerkannt, wie es notwendig wäre.
Unternehmenskulturen, die bei ihrer Auswahl auf den neuen Typ des Managers
setzen, sind erfolgreich im Markt, man schaue nur auf die großen Beispiele bei
Ebay oder Google. Sie sind auch ungleich effektiver als andere, weil sie viel
weniger Zeit mit Rückfragen, Reklamationen und Kollegen- oder Mitarbeiterschelte
verbringen und diese Zeit in ihre eigentlichen Aufgaben stecken können. Effektiv
arbeiten, motiviert mit einer positiven Einstellung zum eigenen Unternehmen
macht Spaß und ist ungemein erfolgreich. Dabei kostet es nur den Wegfall von
Arroganz, Überheblichkeit, Besserwisserei, Demotivation und falscher
Autorität.
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